Pfarrer Eiden - Brief an die Ramsdorfer

Liebe Ramsdorfer,
seit fünfeinhalb Jahren lebe und arbeite ich nun hier. Ich bin hier angekommen, fühle mich wohl und habe an meinem Dienst mit und für sie viel Freude gehabt. Sie haben mich erlebt in der Kirche, in Gremien, Verbänden und Ausschüssen, aber auch in der Öffentlichkeit. Dabei sind sie mir mit viel Wertschätzung und Dank begegnet, worüber ich mich sehr gefreut habe.
Zugleich gab und gibt es aber auch den Menschen Michael Eiden, der zwar im Zölibat lebt, sich aber trotzdem verlieben kann. Ich habe hier eine Beziehung zu einer Frau gehabt. Sie können sich vielleicht denken, wie mich das innerlich zerrissen hat. Einerseits das Schöne einer Beziehung, andererseits das Leben eines zölibatären Priesters, dass ich in den bald 14 Jahren seit meiner Weihe meistens als erfüllend erlebt habe. Und das in Heimlichkeit, was für weder für das eine, noch das andere ein Dauerzustand bleiben konnte. Ich habe diese Beziehung beendet, um mich frei von innerem und äußerem Druck der Frage stellen zu können, wie ich als Mensch und Priester in Zukunft weiter leben will und kann.
Dazu brauche ich die Freiheit von dienstlichen Verpflichtungen, Zeit und eine geistliche Begleitung. Deshalb habe ich unseren Bischof Dr. Felix Genn gebeten, meinen Verzicht auf die Pfarrstelle St. Walburga anzunehmen und mir eine längere Zeit der Exerzitien und Besinnung zu gewähren. Der Bischof hat dem zugestimmt, so dass ich ab dem 25. Februar nicht mehr Pfarrer in Ramsdorf bin, sondern die Zeit und die Freiheit habe die ich für mein Vorhaben brauche. An dieser Stelle möchte ich dem Bischof danken für das Vertrauen, dass er dabei in mich setzt.
Ich weiß, dass Gemeindemitglieder deshalb enttäuscht sein werden, weil sie einen Anderen in mir gesehen haben, als ich war. Jene kann ich nur um Verzeihung bitten. Ich ziehe mich zu einem Zeitpunkt aus Ramsdorf zurück, zu dem ich motivierte, kreative und zukunftsorientierte Ehrenamtliche erlebt habe und ich bin zuversichtlich, dass sie dieses Potential als Christen weiter leben können. Ich danke meinen Mitarbeitern P. Josef, Pfr. Hüning, Pastoralreferent Werner Menke, Robert Ebbing und meiner Mitarbeiterin Cornelia Mensing für die gute Zusammenarbeit und die gelegentliche fruchtbare Kritik, die ich stets hilfreich fand. Hinzu kommen die Seelsorgerinnen und Seelsorger in Velen, denen ich ebenfalls für das gute Miteinander danke. Ich nenne auch die Leitungen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Familienzentrum und im Haus St. Walburga, denen Ramsdorf und die Pfarrei viel Gutes zu verdanken hat. Ferner den Gremien, für ihr Engagement und die gute Gesprächskultur, auch dann, wenn wir um Themen gerungen haben. Die Gruppen und Verbänden der Gemeinde haben mich in ihrem authentischen Bemühen Glauben zu leben und sich für die Pfarrgemeinde einzusetzen, beeindruckt. Erwähnen möchte ich auch die aus meiner Sicht gute Zusammenarbeit mit den weltlichen Vereinen, der Verwaltung der Stadt Velen und dem Bürgermeister.
Ich bin traurig, Ramsdorf jetzt zu verlassen und meinen Lebensweg ohne sie weiterzugehen. Ich bitte die um Verzeihung, die durch meinen Dienst von mir oder der Kirche enttäuscht wurden und wünsche der Pfarrgemeinde St. Walburga, der Seelsorgeeinheit und allen Ramsdorfern Gottes Segen und erbitte ihre Hilfe für mich, durch ihr Gebet.